Trotz großer Hitze haben am 24. Juni etwa 60 Interessierte die Einladung der Ev. Akademie Recklinghausen angenommen, um Bastian Schlange, den inhaltlichen Leiter des CORRECTIV.Verlags zu hören. Moderiert wurde der Abend von Martin Kaysh, vielen als Steiger vom Geierabend bekannt.

Visuell unterstützt eröffnete Bastian Schlange einen Blick in die Abgründe des Desinformation, die seit etwa 2012 durch die sozialen Medien – vor allem Telegram und X - gefährlich tief wurden. Manches wirkt so unglaublich, dass es fast zum Lachen ist: immer wieder taucht z.B. das Gerücht auf, die Wasserwerke hätten Beruhigungsmittel auf Vorrat gelagert, um sie bei Aufständen oder Kriegen ins Wasser zu schütten. Auch wenn solche Gerüchte leicht zu durchschauen sind, radikalisieren sich manche Menschen selbst damit. Sie inszenieren sich als Opfer, die dann aufstehen und gegen die angebliche Versklavung kämpfen. Da die Bubble der Querdenker ähnlich arbeitet wie Sekten, kann man dieser Echokammer nur schwer entrinnen.
Unterstützt wird die Abhängigkeit nicht nur dadurch, dass wir alle dazu neigen, Widersprüche zu unserer Meinung zu übersehen und ungern Fehler eingestehen. Die sozialen Medien bieten mit ihren gewinnorientierten Algorithmen Bestätigung selbst völlig abwegiger Überzeugungen.
Für unsere Gesellschaft ist das gefährlich, denn ein Weltbild, das aus stromlinienförmigen Falschnachrichten aufgebaut ist, schwächt unsere Fähigkeiten zu Empathie und dem Ertragen unterschiedlicher Meinungen.
Dagegen anzugehen ist mühsam.
Früher konnte jemand mit absonderlichen Ansichten in den echten sozialen Räumen durch Widerspruch leichter korrigiert werden – oder man war raus aus der Clique.
Bastian Schlange fordert eindringlich dazu auf, die lokale Presse zu stärken. Kritische, bissige Journalist:innen sind zwar nicht mehr die Hüter der öffentlichen Meinungsbildung, wohl aber wichtige lokale Ansprechpartner:innen, die um Vertrauen werben können.
Der Referent stellte seine Vision der redaktionellen Gesellschaft vor, zu der natürlich gehört, dass Information ordentlich gekennzeichnet werden, in der aber vor allem die eigene Kommunikation als Anfang und Anstoß des Dialogs und Diskurses verstanden wird.
08. Juli 2026 Bärbel Baucks - Foto Birgit Raffelsieper