An der Hoffnung festhalten

Ehemaliger Berliner Bischof plädiert weiterhin für doppelte Solidarität mit Israel und Palästina

Der Abend bei der Ev. Akademie Recklinghausen mit dem ehemaligen Berliner Bischof Markus Dröge hat nachdenklich gemacht. Es war ein besonderer Abend, weil nicht die Auseinandersetzung und der Protest oder Kritik im Mittelpunkt standen, sondern die Frage, ob es noch eine Hoffnung gibt für ein friedliches Zusammenleben von Israel und Palästina.

Dröge ist ein hervorragender Kenner der Situation im Nahen Osten. Er erinnerte an die Position der Ev. Kirche in Deutschland, die seit 2009 mit Blick auf die Leidensgeschichte des jüdischen Volkes und zugleich in Solidarität mit Palästina von einer „doppelten Solidarität“ spricht. Auf der Grundlage von Menschenwürde und dem Selbstbestimmungsrecht der Völker dürfe das Ziel einer Zwei-Staaten-Lösung nicht aufgegeben werden, obwohl dieses immer weniger realistisch erscheint. Gewalt und Leid, Opfer und Tote auf beiden Seiten sowie ein problematischer Friedensplan geben aktuell wenig Anlass zu einer baldigen Lösung dieses alten Konflikts.

Beim Massaker der terroristischen Hamas am 7. Oktober 2023 wurden etwa 1200 Menschen grausam ermordet und 251 als Geiseln verschleppt. Die Mordtaten hatten keine strategische Bedeutung. Es ging allein darum, der Welt zu zeigen, wie brutal die Hamas vorgehen kann, um Israel zu vernichten. Und zugleich hat die Hamas diesen Akt des Terrors als Anfang der Vernichtung Israels angekündigt.

Die Regierung in Israel reagierte mit der Absicht, die Hamas zu vernichten. Dies geschah ohne jede Rücksicht auf die Bevölkerung im Gaza-Streifen. 1,9 der 2,2 Millionen Einwohner im Gaza-Streifen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Inzwischen spricht man von 71.000 Toten und Zehntausenden schwer Verletzter Menschen.

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Foto: Peter Burkowski

Dr. Dröge plädiert dafür, als Christinnen und Christen auch in dieser nahezu ausweglosen Situation an einer Position der doppelten Solidarität mit dem Ziel einer Zwei-Staatenlösung festzuhalten. Man müsse jetzt alles dafür tun, eine Friedenslösung und später eine Versöhnung zu ermöglichen. Ganz konkret bedeute das z.B. die Schule Thalita Kumi, in der viele gebildete Palästinenser:innen Abitur gemacht haben, weiter zu unterstützen und zugleich im jüdisch-christlichen Dialog und in Solidarität mit jüdischen Gemeinde zu bleiben.

Aus Berlin berichtet Dr. Dröge, wie sehr sich die Situation verhärtet habe. Große pro-palästinensische Organisationen tragen den Hass gegen Israel auf die Straße, Jüdinnen und Juden fühlen sich nicht mehr sicher und einige von ihnen sitzen auf gepackten Koffern und ebenso gibt es viele Palästinenser:innen, die nicht mehr über ihre Herkunft reden. Auch diejenigen, die für Frieden zwischen den Völkern einstehen, werden bedroht und verfolgt.

Das Leid auf beiden Seiten müsse ebenso deutlich benannt werden wie die Völkerrechts- und Menschenrechtsverletzungen. Es ist beeindruckend, dass es bis heute Initiativen gibt, die sich für den Frieden im Heiligen Land einsetzen: Rabbis for human rights (Hilfe für Gaza), die parents circles (Gruppen von palästinensischen und jüdischen Familien, die Menschen verloren haben und sich für Menschlichkeit und Frieden einsetzen) und das West-Eastern-Orchestra.

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Foto: Peter Burkowski

Das Wesen der christlichen Hoffnung setzt darauf, dass ich nicht weiß, wie es gehen soll, aber trotzdem daran glaube, dass es geschehen kann. Aber alle, die diese Hoffnung teilen, sollten miteinander solidarisch sein. Mit Verbündeten, die einander stärken, lässt es sich besser aushalten und hoffen. In der Aussprache zum Vortrag zitierte ein Teilnehmer Vaclav Havel: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht.“

Peter Burkowski, 08.02.2026